Donnerstag, 27. Januar 2011

Nach Fehlstart: Hoffenheim hält Pezzaiuoli hin
Hoffenheims Coach bleibt trotz des Fehlstarts gelassen und will eine neue Hierarchie schaffen. Edson Braafheid soll dabei mithelfen.  

Quelle: www.sport1.de


Pezzaiuoli stieg zu Jahresbeginn vom Co-Trainer zum Chefcoach in Hoffenheim auf

Cottbus/Hoffenheim. Marco Pezzaiuoli hatte wirklich alles versucht. Selbst den feinen Zwirn ließ der adrette Kurpfälzer im Schrank. "Zu einem echten Pokalfight sollte man in der richtigen Kleidung auftreten", sagte Pezzaiuoli.  Doch auch der erste Auftritt im Trainingsanzug vermochte den Spielern von 1899 Hoffenheim im Pokal-Viertelfinale bei Energie Cottbus nicht die nötigen Impulse zu geben.

Klassischer Fehlstart als 1899-Coach
Auch im dritten Spiel seiner Amtszeit blieb der frühere Junioren-Nationaltrainer sieglos. Pezzaiuoli muss einen gehörigen Fehlstart verarbeiten. Vor dem 0:1 bei Energie verlor 1899 in Bremen und kam zu Hause gegen Aufsteiger St. Pauli nur zu einem glücklichen 2:2. Der junge Trainer schiebt das auf die Abgänge von Luiz Gustavo und Demba Ba in der Winterpause: "Das Team ist in der Findungsphase, es muss eine neue Hierarchie geschaffen werden."

Vertragspoker geht weiter
Die Umstände für eine Findungsphase sind allerdings unglücklich. Erst der laute Abgang von Trainer Ralf Rangnick, dann die Zickerei von Stürmer Demba Ba und nun die Posse um Pezzaiuolis Vertrag. Der 42-Jährige ist bei der TSG noch ohne Arbeitspapier - was vorläufig so bleiben soll. "Es ist nicht so schlimm, wenn wir es erst nach dem Schalke-Spiel und dem Transferschluss über die Bühne bringen", sagte Manager Ernst Tanner am Donnerstag.

Wird Schalke schon zum Schicksalsspiel?
Nach der Niederlage gegen Cottbus könnte es der Verein aber gar nicht so eilig mit einer Einigung haben. Verliert Hoffenheim auch in Gelsenkirchen, ist das Experiment mit dem Nachwuchstrainer vielleicht schon wieder beendet. Zumal sich Pezzaiuoli mit seinem Vertragspoker bei Mäzen Dietmar Hopp nicht gerade beliebt gemacht haben dürfte. Unter anderem ging es dabei um die Laufzeit. Der Klub bot 2013 an, der Trainer will bis 2014 bleiben.

"Ich habe überhaupt keine Bedenken"
Und Hopp könnte die komplizierte Eselsbrücke, mit der er sich den Namen des Trainers merkt, wieder aus seinem Gedächtnis streichen. "Pizza mit e, dann von meinem älteren Sohn Oliver die ersten drei Buchstaben und mittendrin ein i und ein u. Dann kann ich es wenigstens schreiben", sagte der frühere SAP-Chef der "Sport Bild". Der vertragslose Cheftrainer kann über solche Worte nur schmunzeln, selbst wenn ihn ein TV-Reporter versehentlich als "Marco Pestalozzii" anspricht. Und Pezzaiuoli bleibt auch angesichts der sportlichen Situation ruhig. "Ich habe überhaupt keine Bedenken. Die jungen Spieler brauchen Zeit, um in neue Rollen hineinzuwachsen. Das geht nicht von heute auf morgen", sagte der gebürtige Mannheimer.

Braafheid-Transfer perfekt
Am Donnerstag bekam er noch eine Verstärkung für die Abwehr: Der Transfer des Niederländers Edson Braafheid von Bayern München zu 1899 ist perfekt. Und Braafheid sieht den Wechsel nicht als Karriereknick. "Für meine weitere Entwicklung war der Wechsel nach Hoffenheim sehr wichtig, gerade auch im Hinblick auf die Nationalmannschaft", sagte der 27-Jährige, der am Donnerstag gemeinsam mit seinem Landsmann Ryan Babel offiziell vorgestellt wurde.

Scheitert die Ba-Ausleihe?
Indes verzögert sich das Ausleihgeschäft von Demba Ba zum Premier-League-Club West Ham United wegen Versicherungsfragen. Laut "kicker" wollen die Londoner den Angreifer nicht gegen Invalidität versichern. Die Kosten sollen für ein halbes Jahr bei rund einer Million Pfund (1,16 Millionen Euro) liegen. Der Wechsel von Ba zu Stoke City scheiterte, weil der Senegalese den Medizincheck nicht bestanden hatte.

Cottbus-Coach stänkert
Bei Cottbus wurde derweil der Jubel durch eine erneute Kritik von Trainer Claus-Dieter Wollitz an den Fans getrübt. "In jeder anderen Stadt ist so ein Spiel ausverkauft. Und zwar nicht einen Tag vor dem Spiel, sondern einen Tag nach der Auslosung", polterte Wollitz. Nur 15.200 Zuschauer hatten sich im Stadion der Freundschaft eingefunden, etwa 7000 Plätze blieben unbesetzt.

Wollitz vermisst Fan-Zuspruch
Wollitz verstand die Welt nicht mehr und dozierte noch weit über eine Stunde nach dem Abpfiff: "Ich kenne es so, dass Stadien ausverkauft sind, wenn man erfolgreich ist und eine hohe Identifikation mit dem Verein herrscht." Wollitz hatte sich in den vergangenen Monaten nach Ausschreitungen Cottbuser Anhänger bei Auswärtsspielen mehrfach heftig mit den eigenen Fans angelegt und deswegen lange mit einer Vertragsverlängerung in der Lausitz gezögert.

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