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Ralf Rangnick
übernahm Hoffenheim 2006 in der Regionalliga
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www.sport1.de |
Sinsheim/Hoffenheim.
Aus dem Niemandsland der Amateurligen an die Spitze der
Bundesliga: Der Werdegang von 1899 Hoffenheim war eine
Erfolgsgeschichte wie aus den Zeiten des Wirtschaftswunders. Es
ist kaum mehr als ein Jahr her, dass der Emporkömmling aus dem
Kraichgau Deutschlands höchste Spielklasse dominierte. Doch
diese Zeiten scheinen schon ähnlich weit weg zu sein wie die des
Wirtschaftswunders. Nach der 0:2-Heimpleite gegen Köln sieht
nicht nur Mäzen Dietmar Hopp sein Team am Tiefpunkt angelangt.
Die Krise des Klubs ist inzwischen so umfassend, dass alles in
Frage steht: auch die Zukunft des einstigen Erfolgsduos Ralf
Rangnick und Jan Schindelmeiser.
Rangnick deutet Rücktrittsgedanken an
Der Trainer - dessen Rauswurf Teile der Fans während des
Köln-Spiels forderten - hatte schon zugegeben, aufgrund der
schweren Erkrankung seines Vaters im Januar an Rücktritt gedacht
zu haben. Nach der Katastrophen-Rückserie - 1899 ist mit neun
Punkten aus 13 Spielen Vorletzter der Rückrunden-Tabelle -
scheinen die Gedanken zurückgekommen zu sein Die Frage, ob er
die Mannschaft noch erreiche, "stelle ich mir auch", bekennt er
im "kicker" offen, "vor allem nach so einer Trainingswoche und
der Gesamtatmosphäre der letzten Tage". Und die Antwort auf die
Frage "fällt nach diesem Spiel geteilt aus".
Einkaufspolitik in der Kritik
Rangnick denkt darüber nach hinzuwerden - auch wenn Hopp ihn
ausdrücklich von seiner Kritik am Zustand des Teams ausgenommen
hat und den Trainer "außen vor" sieht, was die Frage nach den
Konsequenzen angeht. Manager Schindelmeiser ist es womöglich
nicht. Der "kicker" spekuliert sogar vorsichtig über eine
mögliche Ablösung. Unangenehme Fragen muss er sich wegen mancher
Verpflichtung vor der Saison gefallen lassen. Gerade die
Auslandstransfers Maicosuel, Zuculini, Raitala und Tagoe sind
allesamt nicht eingeschlagen. Hopps Äußerung, dass er nicht an
neue Spielereinkäufe denke ("eher im Gegenteil") spricht dafür,
dass er 1899 von der aktuellen Einkaufspolitik abbringen will. |
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Herbstmärchenhelden fallen negativ auf
Zuculini und Maicosuel sorgten erst vor dem Köln-Spiel für
Negativ-Schlagzeilen, als sie ebenso wie der junge Boris
Vukcevic zu spät zum Training kamen und aus dem Kader flogen.
Aber es sind nicht nur die Neuen, die negativ auffallen, es sind
auch die Herbstmärchenhelden von 2008. "Der Erfolg hat
Hoffenheim verdorben", befindet SPORT1-Experte Udo Lattek und
Belege für die These finden sich zuhauf.
Fatale Eindrücke
Der brasilianische Spielmacher Carlos Eduardo etwa taugt mit den
schwachen Leistungen auf dem Platz und dem teuren Lebensstil
außerhalb als Vorführexemplar eines korrumpierten
Jungmillionärs. Der damalige Top-Torjäger Vedad Ibisevic spielte
zuletzt wie ein talentfreier Doppelgänger aus einer
Parallelwelt, Demba Ba hat schon mit seinem Wechseltheater im
Sommer seinen Kredit verspielt. Der Discobesuch von sechs
Spielern nach dem 0:4 in Wolfsburg rundet den fatalen Eindruck
ab, der es dem Boulevard leicht macht, Worte wie "Sauhaufen" für
1899 zu finden.
Hildebrand prangert Disziplinlosigkeiten an
Hopp kündigte im "kicker" an, den Mannschaftsrat zur Rede zu
stellen: "Dort möchte ich Antworten hören", macht er klar. Die
Antworten, die Keeper Timo Hildebrand im selben Magazin zu den
Fragen über den Zustand des Teams gibt, sind unangenehm. "Wenn
man all die Vorgänge sieht, die bei uns geschehen, muss man
infrage stellen, ob unsere Mannschaft Disziplin hat", wundert
sich der verletzte Keeper, über den sich trotz eines Dementis
die Wechselgerüchte halten.
"Sympathie und Reputation" geht verloren
Es ist auch dieser Eindruck, der die Fans vor Ort gegen ihre
Mannschaft aufgebracht hat. Die Entfremdung ist abzulesen an
Plakaten wie "Lamborghini - Porsche - Gucci - Fußball?", an
Rufen wie "Ihr könnt jetzt feiern gehen" oder dem
obligatorischen "Scheiß-Millionäre". "Wenn die Fans das Gefühl
haben, dass die Mannschaft nicht das Äußerste herausholt, dann
sind sie zu recht sauer", äußerte Hopp bei LIGA Total!
Verständnis für den aufgebrachten Anhang: "Und das Gefühl kann
man haben." Immerhin entkräftet die geballte Wut der Anhänger
den Kritiker-Vorwurf, Hoffenheim sei ein Verein ohne Fankultur,
tröstlich ist das für die Klubverantwortlichen aber nicht. Für
Schindelmeiser rüttelt die aktuelle Situation an den Grundfesten
des Klubs: "Ich sehe die Gefahr, dass etwas wegbricht von dem,
was wir hier aufgebaut haben. Es geht ein Stück weit Sympathie
und Reputation verloren." |