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Ralf Rangnick
ist seit 2006 Trainer bei 1899 Hoffenheim.
Foto:
www.sport1.de |
Hoffenheim. Die
Situation ist alles andere als rosig. Von neun Rückrundenspielen
hat 1899 Hoffenheim sechs verloren. Vor dem 27. Spieltag
rangieren die einstigen Himmelsstürmer der Liga, der
Herbstmeister 2008, nur auf dem elften Platz Trainer Ralf
Rangnick gerät zusehends unter Druck. In diesen turbulenten
Tagen versucht er mit klaren Ansprachen, seine Profis auf das
Wesentliche zu fokussieren. "Bis jetzt sind wir noch nicht im
Abstiegskampf. Aber es gibt keinen, der die Situation auf die
leichte Schulter nimmt. Wir alle können die Tabelle lesen", sagt
der 51-Jährige. Immerhin entspannt sich die Personalsituation
vor dem Spiel am Samstag beim 1. FC Nürnberg ein wenig. Andreas
Beck ist nach seinem Innenbandriss ebenso wieder ins
Mannschaftstraining eingestiegen wie Andreas Ibertsberger (muskuläre
Probleme) und der Brasilianer Carlos Eduardo (Zehprellung).
Im
Sport1.de-Interview
spricht Rangnick über Probleme, Dietmar Hopp und Kontakte zum
VfL Wolfsburg.
Sport1.de:
Herr Rangnick, Sie haben am
Wochenende eine bittere 0:1-Niederlage gegen Bremen hinnehmen
müssen. Zuvor gab es eine Heimpleite gegen Mainz. Warum zeigte
die Mannschaft in beiden Partien so wenig Biss?
Ralf Rangnick:
Gegen Bremen hat die
Mannschaft mit Sicherheit nicht zu wenig Biss gezeigt. Wir haben
über weite Strecken extrem attackiert, haben Werder immer wieder
zugesetzt und sehr wenig zugelassen.
Sport1.de:
Und gegen Mainz?
Rangnick:
Die Mainzer agierten sehr defensiv und wollten einfach nur kein
Tor kassieren. Beides waren typische 0:0-Spiele, aber wir haben
im taktischen Bereich einige Fehler gemacht und wurden dafür
hart bestraft.
Sport1.de:
Aber zuhause gegen einen
Aufsteiger sollte doch, vor allem was die Offensive angeht, ein
Treffer drin sein...
Rangnick:
Es gibt natürlich Dinge, die
wir hätten besser machen können, ja.
Sport1.de:
Und woran hapert es genau?
Rangnick:
Es hängt eng mit der Personalsituation zusammen.
Sport1.de:
Stürmer Vedad Ibisevic hat
nach seinem Kreuzbandriss immer noch nicht zu alter Form
zurückgefunden. Warum nicht?
Rangnick:
In seiner tollen Vorrunde
der letzten Saison haben wir mit Obasi, Ba und Ibisevic
Torchancen im Zwei-Minuten-Takt herausgespielt. Die beiden
fehlen ihm natürlich, da sie häufig verletzt waren. Auf der
anderen Seite dauert es einfach eine Zeit, bis man nach so einer
Verletzung wieder voll im Saft steht.
Sport1.de:
Kann es passieren, dass
Hoffenheim noch in Abstiegsgefahr gerät?
Rangnick:
Wir unterschätzen die
Situation nicht, aber ich bin überzeugt, dass wir mit den
Abstiegsplätzen nichts zu tun haben werden.
Sport1.de:
Mäzen Dietmar Hopp
kritisierte zuletzt den "Zustand der Mannschaft". Gab es ein
Gespräch zwischen Ihnen und falls ja, wurden die Unstimmigkeiten
aus der Welt geschafft?
Rangnick:
Es gab keine Unstimmigkeiten und wir mussten auch nichts
ausräumen. Wenn Herr Hopp nach einem Spiel wie gegen Mainz seine
Meinung äußert, ist das völlig okay. Wir hatten einen Termin,
der schon zwei Wochen vorher anberaumt war. Und der hat
stattgefunden. Da haben wir über die gesamte Entwicklung der
vergangenen Jahre, über die jetzige Situation und die Zukunft
gesprochen.
Sport1.de:
Es gibt also kein Problem
zwischen Ihnen und Herrn Hopp?
Rangnick:
Nein, überhaupt nicht.
Sport1.de:
Zudem sagte Herr Hopp, man
müsse sich überlegen, wieder verstärkt auf deutschsprachige
Profis zu setzen. Was halten Sie davon?
Rangnick:
Wir waren schon immer an
deutschen Spielern interessiert. Und wir werden auch in Zukunft
versuchen, junge deutsche Spieler zu verpflichten.
Sport1.de:
Am Wochenende muss
Hoffenheim in Nürnberg antreten. Was muss die Mannschaft besser
machen als in der Vergangenheit?
Rangnick:
Möglichst kein Tor kassieren
und eines schießen. Nürnberg wird auf Sieg spielen, denn sie
stehen unten drin. Wir müssen ähnlich gut verteidigen wie über
weite Strecken gegen Bremen und zudem gefährliche Konter setzen.
Sport1.de:
Was bleiben denn noch für
Ziele für die aktuelle Saison?
Rangnick:
Es geht nur um das nächste
Spiel. Da müssen wir punkten. Wenn alle gesund sind, sieht unser
Spiel mit Sicherheit ganz anders aus.
Sport1.de:
Haben Sie während der sportlichen Krise je an einen Rücktritt
gedacht?
Rangnick:
Nein. Ich habe hier noch eineinhalb Jahre Vertrag. Für mich ist
es selbstverständlich, dass beide Parteien den Vertrag erfüllen
wollen, den wir gemeinsam unterschrieben haben. Wir haben schon
früher als erwartet den Aufstieg geschafft und sind somit
unserer Zeit voraus. Wir haben und müssen auch aus dieser Saison
die richtigen Schlüsse ziehen.
Sport1.de:
Sie sind also mit der Entwicklung in Hoffenheim zufrieden?
Rangnick:
Die Ergebnisse momentan
stimmen uns natürlich alle nicht zufrieden. Aber wir spielen
auch in der nächsten Saison in der Bundesliga. Davon hat vor
wenigen Jahren noch niemand zu träumen gewagt.
Sport1.de:
Es steht aber zu 100 Prozent
fest, dass Sie auch nächstes Jahr Trainer bei Hoffenheim sein
werden?
Rangnick:
Für mich schon. Ich konzentriere mich voll und ganz auf 1899
Hoffenheim.
Sport1.de:
Gibt es Kontakte zum VfL Wolfsburg?
Rangnick:
Nein, und es gibt auch sonst keine Gespräche mit anderen
Vereinen. |